Nachhaltigkeit von Merinowolle

Nachhaltigkeit von Merinowolle

Fangen wir mit dem Positiven an:

Tiefer Energie- und Wasserverbrauch

Die Herstellung eines T-Shirts aus Wolle verbraucht rund 20% weniger Energie als ein vergleichbares synthetisches T-Shirt und 70% weniger Wasser als ein Baumwoll-T-Shirt. In der heutigen Zeit mit weit verbreiteter Energie- und Wasserknappheit ist das sehr wertvoll.

Einfach zu färben

Merinowolle ist relativ leicht zu färben, was den Chemie- und Energieeinsatz verringert. Die ROTAUF Bio Merino Serie wird gemäss dem strikten Global Organic Textile Standard (GOTS) gefärbt und ist somit auch nach dem Färben frei von Schadstoffen.

Biologisch abbaubar

Als Naturmaterial ist Wolle 100% biologisch abbaubar und trägt so theoretisch nicht zur Mikroplastikbelastung der Umwelt bei. Aber aufgepasst: In der Praxis ist Merinowolle oft so stark chemisch behandelt und mit Synthetikfasern gemischt, dass nicht mehr wirklich von einem Naturmaterial gesprochen werden kann... Mehr dazu unten beim Negativen.

Rezyklierbar

Wolle ist rezyklierbar und kann für neue Garne oder Füllmaterialien verwendet werden. In Europa hat sich vor allem der Italienische Textilbezirk Prato mit dem Recycling von Wollprodukten einen Namen gemacht.

Muss weniger oft gewaschen werden

Wie oben bei den Funktionalen Eigenschaften beschrieben ist Merinowolle selbstreinigend und geruchsneutralisierend. Merinokleidung muss deshalb weniger oft gewaschen werden als konventionelle Kleidung. Das spart Wasser und Energie.

Nachwachsender Rohstoff

Im Gegensatz zu erdölbasierten synthetischen Fasern wie Polyester oder Polyamid ist Merinowolle ein nachwachsender Rohstoff. Alles was es für die "Produktion" von Merinowolle braucht ist ein Schaf, frische Luft, Wasser und Gras. Ganz einfach.

Diesen positiven Aspekten stehen leider auch viele negative gegenüber. Schauen wir uns diese etwas genauer an:

Schlechte Klimabilanz

Merinowolle hat verglichen mit anderen textilen Rohmaterialien eine relativ schlechte Klimabilanz. Ein Schaf produziert knapp 5 Kilogramm Methan pro Jahr. Methan wiederum ist über 100 Jahre gerechnet 28 Mal so klimawirksam wie CO2. Die Herstellung von Merinowolle führt so zu doppelt so hohen Treibhausgas-Emissionen wie die Herstellung von Kunstfaser.

Fun Fact: Rund 12% der Treibhausgas-Emissionen von Neuseeland stammt von Schafen.

Chemikalieneinsatz

Natürliche Wolle verfilzt und schrumpft beim Waschen in der Waschmaschine. Deshalb muss die Merinowolle speziell behandelt werden, um sie maschinenwaschbar zu machen. Die Wolle wird dabei standardmässig einer sogenannten “Superwash”-Ausrüstung unterzogen. Um das ineinander Verhaken der Wollschuppen beim Waschen und damit das Verfilzen der Wolle zu verhindern, werden die natürlichen Schuppen mit Chlor-Verbindungen weggeäzt. Jedoch sind diese Chlor-Verbindungen hochexplosiv und hinterlassen Rückstände von gefährlichen AOX-Verbindungen im Abwasser. Als AOX wird eine Gruppe von ganz vielen speziellen chemischen Verbindungen bezeichnet, die für den Menschen und die Natur gefährlich sind.

Nach der Behandlung mit Chlor wird die Wolle zusätzlich mit einer Plastikschicht ummantelt, um sie möglichst robust zu machen. Bei der gängigsten Superwaschausrüstung wird dazu ein Plastik namens “Polyamid-Epichlorohydrin” verwendet. Wie der Teil “-chloro-” im Namen dieses Plastiks schon andeutet, besteht auch dieser teilweise aus Chlor. Deshalb können durch diese Plastikummantelung auch noch während des Tragens giftige AOX-Verbindungen aus der Bekleidung austreten.

Seit der Einführung der Bio Merino Serie 2017 verzichtet ROTAUF aus diesen Gründen auf eine Superwash Ausrüstung mit Chlor-Behandlung und Plastikummantelung. Wir setzen stattdessen ein schonendes Verfahren namens EXP ein. So kann auch unsere Wolle in der Waschmaschine gewaschen werden - allerdings “nur” bei 30°C und mit einem guten Wollwaschmittel. 

Mulesing und Sheep Dipping

Bestimmte Merinoschaf-Rassen werden mit möglichst vielen Hautfalten gezüchtet, damit die Hautoberfläche möglichst gross ist und darauf mehr Wolle pro Schaf wächst. In diesen Hautfalten können sich Fliegenmaden einnisten, vor allem um den Schwanz der Schafe. Um diesen Fliegenmaden-Befall zu verhindern, werden die Hautfalten der Schafe um den Schwanz oft ohne Schmerzausschaltung entfernt. Diese tierquälerische Praxis wird Mulesing genannt und wird heute vor allem in Australien praktiziert. In Neuseeland ist Mulesing seit 2018 verboten und auch Südamerika gilt als mulesingfrei, weil dort die lästigen Fliegen nicht vorkommen. 

Eine andere gängige Praxis um den Parasitenbefall von Schafen zu verhindern ist das so genannte "Sheep Dipping". Dabei werden Schafe mit eigens dafür entwickelten Maschinen in einem Tank mit Pestiziden/Desinfektionsmitteln unter Wasser gedrückt oder durch Pestizidbäder getrieben.

Um sicherzustellen, dass die Schafe, welche ihre Wolle für die ROTAUF Bekleidung "spenden" unter artgerechten Bedingungen und ohne tierquälerische Behandlungen leben können, verwenden wir Merinowolle aus kontrolliert Biologischer Tierhaltung (kbT). Dieser Standard richtet sich nach den europäischen Richtlinien für ökologischen Landbau und verbietet sowohl Mulesing wie auch Sheep Dipping.

Landverbrauch und Bodendegradation

Um Weidefläche für Tiere zu schaffen werden in vielen Regionen der Welt Wälder abgeholzt. Gibt es zu viele Tiere pro verfügbare Weidefläche kann es zudem durch so genanntes "Overgrazing" zu Bodendegradation, Erosion und zu einem Verlust an Biodiversität kommen.

Auch hier schafft der Biostandard Abhilfe, indem die Grösse und Regeneration der Weideflächen geregelt ist.

Merinowolle wird oft mit Kunstfaser gemischt

Aufgrund der relativ tiefen Robustheit von Merinofasern und um die Pflege zu erleichtern werden diese oft mit Kunstfasern gemischt. Das kann sich positiv auf die Robustheit und Lebensdauer von Merinotextilien auswirken, trägt aber zur Mikroplastikbelastung der Umwelt bei und verhindert, dass die Textilien biologisch abbaubar oder rezyklierbar bleiben.

Lange Transportdistanzen

Merinowolle kommt, wie zuvor beschrieben, normalerweise von weit her: Australien, Neuseeland, Südafrika und Argentinien sind die grössten Merinoexporteure der Welt. Mit den verschiedenen Verarbeitungsstufen kommen so pro T-Shirt schnell mal 40'000 Transportkilometer zusammen. 

Aufgrund der regionalen Verarbeitung der Merinowolle (Stricken, Färben, Nähen in der Schweiz) sind diese Werte bei ROTAUF wesentlich tiefer, aber auch unsere Merino Seide Bekleidung sammelt über die gesamte Wertschöpfungskette rund 10'000 Transportkilometer. Um diese Distanz zu verkürzen, sind wir immer auf der Suche nach lokaleren Merino-Alternativen. Mit Schweizer Merinowolle und Spanischer Merinowolle haben wir mittlerweile in einzelnen Produkten zwei solche Alternativen im Angebot und wir hoffen, dass wir den Anteil an lokaler Merinowolle über die kommenden Jahre weiter ausbauen können.

Fazit

Den unbestrittenen funktionalen und ökologischen Vorteilen von Merinowolle stehen eine Reihe ökologischer Nachteile und tierquälerische Methoden gegenüber.

Während wir durch den Einsatz von Merinowolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung und umweltfreundliche Ausrüstungs- und Färbeverfahren viele dieser Nachteile in den Griff bekommen können, bleiben insbesondere in Bezug auf die schlechte Klimabilanz von Merinowolle und die langen Transportdistanzen noch einige zentrale Herausforderungen bestehen.

Schweizer Merinoschaf auf der Weise am Mont Soleil


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