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PFAS in den Schweizer Alpen
· Christian BinkertWir haben Gipfel, Gletscher und Skigebiete getestet. Alle verschmutzt.
Gemeinsam mit einem akkreditierten Testlabor haben wir hochalpine Berge, Skigebiete und Naturschauplätze von nationaler Bedeutung untersucht: Alle Proben enthielten PFAS. Getestet wurden unter anderem Matterhorn, Skigebiet Arosa, Jungfraujoch, Morteratschgletscher, Oeschinensee, Skigebiet Flumserberg, Grosse Scheidegg und Pilatus.
Dr. Basilius Thalmann von der ZHAW ist Experte im Bereich PFAS Bodenproben und ordnet die Funde wie folgt ein. «Dass PFAS auch in solchen Höhen und in teilweise eher abgelegenen Gebieten gefunden wird, ist für mich neu und besorgniserregend.»
Zwei Resultate fielen ihm besonders auf: «Die Konzentration der Probe auf dem Matterhorn liegt 15-mal höher als in den übrigen untersuchten Wasserproben. Auch der Test aus Arosa erscheint mir im Vergleich zu Skigebieten aus Österreich hoch. Ein absoluter Vergleich ist allerdings schwierig – hier braucht es mehr Forschung.»

Die giftigen Chemikalien werden von der Outdoor-Industrie eingesetzt, weil sie hochperformant und billig sind. Von der Kleidung gelangen sie dann in die Natur, ins Wasser – und schliesslich in Mensch und Tier. Laut einer Untersuchung des Bundes trägt bereits mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung PFAS im Körper.
Das Problem: PFAS bauen sich praktisch nie mehr ab und können über Generationen hinweg schwere Schäden anrichten. Sie galten lange Zeit als chemisches Wundermittel, weil sie stark wasser- und schmutzabweisend sowie langlebig sind.
Die Outdoor- und Bekleidungsindustrie zählt zu den grössten Nutzerinnen von PFAS. Für ROTAUF-Mitbegründer Remo Frei ist das nicht akzeptabel: «Die Industrie verschmutzt seit Jahrzehnten unsere Natur, Berge und unsere Körper mit PFAS und weiteren Chemikalien. Es ist höchste Zeit, dass wir uns dagegen wehren.»
Begleite uns im folgenden Video bei unserer Expedition und Probeentnahme auf dem Morteratschgletscher:
PFAS sind nur die Spitze des Eisbergs
Die Textilindustrie macht Fortschritte – PFAS werden Schritt für Schritt verbannt. Doch das ist erst der Anfang. Noch immer kommen in der Produktion zahlreiche problematische Chemikalien zum Einsatz.
Bei ROTAUF gehen wir bewusst einen Schritt weiter:
Wir verzichten nicht nur auf PFAS, sondern auf über 430 potenziell schädliche Substanzen – im Einklang mit unserem Detox to Zero Commitment.
Denn echte Nachhaltigkeit bedeutet für uns: Verantwortung zu übernehmen, offen zu kommunizieren und Wege zu gehen, die Natur und Mensch langfristig schützen.

Was sind PFAS?
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind künstlich hergestellte Chemikalien, die seit den späten 1940er-Jahren produziert werden. Sie bestehen aus besonders stabilen Kohlenstoff-Fluor-Verbindungen. Zur PFAS-Gruppe gehören rund 10.000 verschiedene Stoffe.
Diese Stoffe sind wasser-, fett- und schmutzabweisend und gleichzeitig sehr widerstandsfähig gegen Hitze und andere Chemikalien. Genau das macht sie für viele Produkte praktisch – aber auch gefährlich: PFAS zerfallen in der Umwelt kaum. Einmal freigesetzt, bleiben sie über Jahrzehnte bestehen und reichern sich immer weiter an.
PFAS haben bereits Böden, Flüsse, Seen und Grundwasser an vielen Orten verunreinigt. Von dort gelangen sie in die Luft, in die Nahrungskette und letztlich auch in den menschlichen Körper. Sie wieder zu entfernen ist technisch sehr schwierig und teuer.
Viele Branchen nutzen PFAS, zum Beispiel die Luft- und Raumfahrtindustrie, Textilhersteller, Elektronikfirmen sowie Hersteller von Haushaltsprodukten, Löschschäumen und medizinischen Artikeln.
Weshalb sind PFAS gefährlich?
PFAS sind gefährlich, weil sie extrem langlebig sind und sich in der Umwelt und im menschlichen Körper anreichern. Sie werden kaum abgebaut und können sich so über Jahre oder sogar Jahrzehnte in Böden, Gewässern, Pflanzen, Tieren und Menschen ansammeln.
Einige PFAS stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Studien zeigen, dass sie:
- die Leber und das Immunsystem beeinträchtigen können,
- den Hormonhaushalt stören,
- das Wachstum und die Entwicklung von Kindern beeinflussen und
- bei längerer Belastung das Krebsrisiko erhöhen können.
Da PFAS überall verbreitet sind – in Luft, Wasser, Nahrung und Alltagsprodukten – ist es nahezu unmöglich, ihnen völlig auszuweichen. Ihre Entfernung aus der Umwelt ist zudem technisch sehr aufwendig und teuer. Deshalb gelten PFAS heute als eine der größten chemischen Umweltbelastungen weltweit.
Warum werden PFAS nicht verboten?
Obwohl längst bekannt ist, wie schädlich PFAS für Mensch und Umwelt sind, blockiert die Industrie ein schnelles Verbot. Viele Unternehmen behaupten, PFAS seien „unverzichtbar“, etwa in Hightech-Anwendungen, Medizinprodukten oder der Luftfahrt. Diese Argumente stimmen teilweise – doch in vielen Bereichen, etwa bei Outdoor-Bekleidung, Verpackungen oder Alltagsprodukten, gibt es bereits funktionierende Alternativen.
Trotzdem wird das Verbot immer wieder hinausgezögert, weil Konzerne Zeit gewinnen wollen, um ihre Produktion anzupassen und Gewinne zu sichern. Ausserdem ist die PFAS-Gruppe so gross, dass sich gesetzliche Regelungen kompliziert und langwierig gestalten – ein weiterer Vorteil für die Industrie.
Statt konsequent zu handeln, wird also über Ausnahmen und Übergangsfristen diskutiert, während PFAS sich weiter in der Umwelt ausbreiten.