Vom Baum zur Faser
Rotauf Wissen
TENCEL™ Lyocell
Aus einem Baum wird bei uns eine Faser, die sich seidenweich anfühlt, dich trocken hält und am Berg genauso funktioniert wie im Alltag. Klingt fast zu gut – ist aber gut belegbar. Hier erfährst du, wie das geht, was es kann und warum wir uns bewusst für TENCEL™ Lyocell entschieden haben.
Holz, das sich wie Seide anfühlt
Klingt nach Widerspruch, ist aber genau das. TENCEL™ Lyocell ist eine Faser aus Holz – und trotzdem weich, kühlend und so saugfähig, dass du im Shirt länger trocken bleibst als in den meisten anderen Materialien.
Kurz vorab, weil's gern durcheinandergeht:
- Lyocell ist der Fasertyp.
- TENCEL™ ist der Markenname dafür – produziert von der österreichischen Lenzing AG, nach strengen Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien.
Was du davon hast
Bevor wir ins Eingemachte gehen – das Wichtigste zuerst: Was spürst du, wenn du ein Wood-Shirt trägst?
- Trocken statt klamm. Lyocell nimmt Schweiss auf und gibt ihn wieder ab, statt ihn an der Haut zu halten. Industriemessungen zeigen rund 50 % mehr Feuchtigkeitsaufnahme als Baumwolle.¹
- Reguliert die Temperatur. Wärmt, wenn's kühl ist, kühlt, wenn's warm wird. Sommer wie Winter eine gute Wahl.
- Bleibt länger frisch. Weil die Faser Feuchtigkeit von der Haut wegtransportiert und ein trockenes Mikroklima schafft, finden geruchsbildende Bakterien schlechter Nahrung. Du musst seltener waschen – gut für dich, gut für die Ressourcen.
- Seidenweich. Die Faseroberfläche ist glatt. Angenehm auch auf empfindlicher Haut, kaum kratzig.
Wie aus Holz ein Stoff wird
Die spannende Frage: Wie wird aus einem harten Stück Holz ein weiches Shirt? Kein Hexenwerk, aber clever gelöst.
1. Der Rohstoff.
Grundbaustein ist Zellulose aus Holz – aus Wäldern, die FSC®- oder PEFC™-zertifiziert oder kontrolliert sind.² Die Lenzing AG nutzt überwiegend Eukalyptus und Buche.
2. Der Trick mit dem Lösungsmittel.
Die Zellulose wird in einem nicht-toxischen Lösungsmittel (NMMO) gelöst und zu Fasern gesponnen. Das Besondere: Das Verfahren läuft im geschlossenen Kreislauf. Mehr als 99,8 % des Lösungsmittels werden zurückgewonnen und immer wieder verwendet.³ Der winzige Rest wird in Kläranlagen abgebaut. So bleibt praktisch nichts Belastendes übrig.
3. Nichts wird verschwendet.
Was vom Holz nach der Fasergewinnung übrig bleibt, nutzt Lenzing zur Energiegewinnung für den Produktionsprozess selbst. Das senkt Wasser- und Energieverbrauch spürbar.⁴
4. Vom Garn zum Shirt.
Aus den Fasern werden Garne, daraus weiche Stoffe – die wir nach dem Greenpeace-Detox-Standard schadstofffrei einfärben und zu deinem Wood-Shirt verarbeiten.
Und am Ende?
TENCEL™ Lyocell ist unter den richtigen Bedingungen biologisch abbaubar.⁵ Schneide vor der Entsorgung Nähte und Etiketten heraus – die sind aktuell noch aus Kunststoff. Der Stoff selbst kann zurück in den Kreislauf.
Welches Holz – und woher?
Nicht irgendein Holz, und nicht von irgendwoher. Für Lyocell verarbeitet Lenzing vor allem:
- Eukalyptus – der grösste Anteil. Wächst schnell, braucht keine Bewässerung und keine Pestizide.
- Buche, Fichte, Birke, Kiefer – ergänzend, ein Grossteil davon aus Europa.
Über 99 % des Holzes stammt aus FSC®- oder PEFC™-zertifizierten bzw. kontrollierten Quellen.⁶ Lenzings eigene Werke in Österreich (v. a. Buche und Birke), Tschechien (Fichte) und Brasilien (Eukalyptus) beziehen ihr Holz grösstenteils aus der jeweiligen Region; zugekaufter Zellstoff kommt überwiegend aus naturnahen Wäldern Skandinaviens, des Baltikums, Südafrikas und der USA.⁷
Genauso wichtig ist, was nicht verwendet wird: kein Holz aus Urwäldern oder gefährdeten Wäldern.⁸ Vieles stammt aus der Durchforstung – Bäume, die ohnehin gefällt werden, damit der Wald gesund weiterwächst, und die für Möbel zu gering wären. So landet auch das im Kreislauf, was sonst kaum genutzt würde.
TENCEL
Pflanzlicher Ursprung
Klimakomfort
Feuchtigkeitsabsorbierend
Geruchsneutral
Antibakteriell
Biodegradable
WAS IST DER UNTERSCHIED VON LYOCELL UND MODAL
Beides sind Zellulosefasern aus Holz aus dem Hause Lenzing. Beide gut – nur für unterschiedliche Zwecke gemacht. Kein „besser oder schlechter", sondern „wofür".
Kurz gesagt:
Lyocell = robuster, funktioneller, trocknet schneller
Modal = weicher, geschmeidiger, stärker auf Komfort ausgelegt
Der wichtigste Unterschied: die Herstellung
Lyocell
Lyocell wird mit einem sogenannten Direktlösungsverfahren hergestellt. Dabei wird die Zellulose direkt mit NMMO gelöst. Das Lösungsmittel wird fast vollständig recycelt.
Vorteile:
- umweltfreundlicheres Verfahren
- sehr stabile Faserstruktur
- hohe Festigkeit auch im nassen Zustand
Modal
Modal ist technisch eine weiterentwickelte Viskosefaser. Die Herstellung ist chemisch aufwendiger und basiert auf einem anderen Prozess.
Vorteile:
- besonders weich
- sehr geschmeidiger Fall
- angenehm auf der Haut
Für die Neugierigen: Warum die Faser so gut Feuchtigkeit managt
Wer's genau wissen will: Der Trick steckt in der Mikrostruktur. Lyocell-Fasern sind von feinen Kapillaren durchzogen.
- Aufnehmen: Feuchtigkeit dringt in diese winzigen Kanäle ein und wird im Inneren der Faser eingelagert – nicht nur an der Oberfläche. Darum fühlt sich der Stoff trocken an, selbst wenn er schon einiges aufgenommen hat.
- Abgeben: Weil die Faser atmungsaktiv ist, verdunstet die Feuchtigkeit nach und nach an die Umgebungsluft.
Warum ROTAUF auf TENCEL™ Lyocell setzt
Jetzt zum eigentlichen Punkt: Wir hätten viele Materialien wählen können. Wir haben uns für TENCEL™ Lyocell entschieden – und das hat Gründe, die zu uns passen.
Es passt zu unserem Versprechen.
Wir sagen seit Jahren: keine Schadstoffe, keine Abkürzungen. Eine Faser, die im geschlossenen Kreislauf produziert wird und bei der über 99,8 % des Lösungsmittels zurück in den Prozess gehen, passt da einfach. Kein Material müssen wir uns schönreden.
Es funktioniert dort, wo du es trägst.
Draussen zählt Funktion. Feuchtigkeitsmanagement, Temperaturregulierung, schnelles Trocknen, seltener waschen – das ist kein Marketing, das spürst du am Berg, auf dem Velo, im Alltag.
Wir wissen, woher es kommt.
Zertifiziertes Holz, ein europäischer Produzent mit nachvollziehbaren Prozessen, schadstofffreie Färbung nach Detox-Standard. Transparenz ist uns lieber als grosse Worte.
Es bleibt ein Kreislauf-Gedanke.
Vom Baum zur Faser zum Shirt – und am Ende, mit etwas Geduld, zurück in den Boden. So stellen wir uns Material vor: nützlich, langlebig, und am Ende kein Problem.
Deshalb steckt TENCEL™ Lyocell in unseren Wood-Shirts. Nicht, weil es gut klingt. Sondern weil es hält, was es verspricht.
Quellen & Belege
¹ Industrie-/Lenzing-Messung zur Feuchtigkeitsaufnahme von TENCEL™ Lyocell gegenüber Baumwolle (ca. +50 %).
² Lenzing AG: Holz aus FSC®-/PEFC™-zertifizierten bzw. kontrollierten Quellen.
³ Lenzing AG, „TENCEL™ Lyocell": Rückgewinnung von mehr als 99,8 % des Lösungsmittels im geschlossenen Kreislauf.
⁴ Lenzing AG: Bioraffinerie-Prinzip – 100 % der Holzbestandteile werden genutzt, u. a. zur Energieerzeugung.
⁵ TENCEL™ Lyocell ist unter definierten Bedingungen zertifiziert biologisch abbaubar (Faser, nicht Nähte/Etiketten).
⁶ Lenzing AG: mehr als 99 % des Holzes aus zertifizierten oder kontrollierten Quellen (FSC®/PEFC™).
⁷ Lenzing AG: eigene Zellstoffwerke in Lenzing (AT), Paskov (CZ) und Indianópolis (BR); Zukauf v. a. aus Skandinavien, Baltikum, Südafrika und USA. Eukalyptus ist der vorherrschende Holztyp; Buche, Fichte, Birke und Kiefer werden ebenfalls verarbeitet.
⁸ Lenzing Wood & Pulp Policy: Ausschluss von Holz aus Urwäldern und gefährdeten Wäldern.